
Tesla Model X Long Range: Convenience ohne Ende
Das Tesla Model X steht wie kaum ein anderes Fahrzeug für hohen Komfort, kombiniert mit markentypischem Hightech und spielerischen Details. Obwohl inzwischen sämtliche namhaften Hersteller in diesem Segment mitmischen, bewahrt sich der Amerikaner eine bemerkenswerte Eigenständigkeit und bringt Eigenschaften mit, die ihn klar von der Konkurrenz abheben. Trotz seiner stattlichen Dimensionen und Leistung bleibt der Energieverbrauch erfreulich moderat. Ebenso positiv überrascht, dass sich das Model X auch bei ambitionierterer Kurvenfahrt nicht versteckt. Ganz ohne Schwächen kommt jedoch auch dieses Tesla-Flaggschiff nicht davon.
Optisch hat sich seit der Einführung des Autos abgesehen von neuen Leuchten und leicht retuschiertem Design wenig getan. Der eigentliche Star bleiben die markanten Falcon Doors. Entscheidender ist jedoch, dass Tesla unter der vertrauten Hülle vor allem Software und Antrieb konsequent weiterentwickelt hat. Innen bleibt das bewährte Raumkonzept erhalten. Ob als 5-, 6- oder 7-Sitzer: Platz gibt es im Überfluss, inklusive riesigem Kofferraum mit tiefen Staufächern und zusätzlichem Frunk. Auch grossgewachsene Passagiere reisen im Fond komfortabel, unterstützt vom luftigen Raumgefühl durch Frontscheibe und Glasflächen. Neu ist ein zusätzlicher Screen für die hinteren Plätze. Im Cockpit zeigt sich der Fortschritt deutlicher: neue Sitze mit besserem Halt und Lüftung, ein querformatiger Touchscreen und serienmässig das klassische Lenkrad – das polarisierende Yoke gibt es gegen Aufpreis. Das Infotainment bleibt eine Klasse für sich: extrem flüssig, exzellente Navigation und reichlich Unterhaltung mit nativen Streaming-Apps für den Ladestopp.

Die Zukunft ist jetzt
Auch beim Einsteigen und Losfahren setzt Tesla voll auf das Zukunfts-Gefühl: Reinsetzen, Fuss auf die Bremse, die Tür schliesst automatisch. Mittels Kameras erkennt das Auto in den meisten Fälle zuverlässig, ob man die Fahrt vorwärts oder rückwärts starten möchte. Ist man mit dem Vorschlag des Autos einverstanden, wechselt man einfach von der Bremse aufs Gas und die Fahrt beginnt – ohne, dass man sich um die Türe oder Gangwahl gekümmert hat, geschweige denn einen Knopf gedrückt hat!
Fahrdynamisch gibt sich das Model X ausgewogen und überraschend europäisch. Die Lenkung ist sauber abgestimmt, das Luftfahrwerk bietet eine enorme Spreizung zwischen komfortabel-weich und straff-kontrolliert. Zusammen mit der sehr effektiven Geräuschdämmung zählt der hohe Fahrkomfort klar zu den Stärken des grossen SUV. Deutlich weniger alltagstauglich sind hingegen die Blinker-Tasten am Lenkrad: Im Kreisverkehr schlicht unpraktisch und ein unnötiger Design-Exzess ohne funktionalen Mehrwert.

Schnell ohne Drama
Mit einer Leistung von 493 kW tritt das Long-Range-Modell mehr als souverän auf. Interessant ist dabei die Leistungsentfaltung: Statt brachialem Elektro-Schub baut die Kraft progressiv auf, vor allem aus dem Stand spürbar zurückhaltend, mit zunehmendem Tempo aber umso eindrucksvoller. Das fühlt sich fast schon analog an und bringt Abwechslung in die sonst so uniforme E-Auto-Welt. In sportlicheren Modi lässt sich das Model X für ein SUV durchaus zügig bewegen, ohne dabei künstlich auf Dynamik zu machen.
Zu den Paradedisziplinen zählen wie bei allen Teslas die Assistenzsysteme. Der Autopilot arbeitet auf der Autobahn sehr zuverlässig, inklusive automatischer Spurwechsel und intelligenter Vorschläge bei aktiver Navigation. Auch ausserorts funktioniert das System meist gut, solange die Strecke nicht zu kurvig wird. Weniger elegant gelöst ist hingegen der Tempomat, dessen eingestellte Geschwindigkeit nicht gespeichert wird und bei jeder Aktivierung neu gewählt werden muss.
Mit einem Preis ab 104’990 Franken ist das Model X zweifellos kein Schnäppchen, wirkt im direkten Vergleich zur Konkurrenz dennoch erstaunlich fair kalkuliert. Leistung, Hightech, Platzangebot und Komfort werden in üppiger Dosis geliefert, echte Ausstattungsdefizite gibt es kaum. Trotz mancher Spielerei und einzelner Eigenheiten setzt das Model X weiterhin klare Akzente in seiner Klasse. Das Long-Range-Modell passt dabei besser zum souveränen Charakter des grossen SUV als die brachiale Plaid-Version – ist aber dennoch schnell genug, um die meisten anderen stehen zu lassen oder bis zu 2,5 Tonnen an den Haken zu nehmen.









